In diesem Artikel geht es um die Frage, ob und wie die Amsler Linien in der Schweiz verwandt sind. Eine Linie ist definiert durch den Heimatort, vor 1800 finden wir sieben Amsler Heimatorte. Fünf liegen im Kanton Aargau, einer im Kanton Baselland, einer im Kanton Zürich. Heute beleuchten wir die Herkunft der Amsler mit Heimatort Kaisten.
Kaisten

Kaisten ist eine ländliche Gemeinde im Bezirk Laufenburg (Aargau) mit rund 3’100 Einwohnerinnen und Einwohnern. Sie liegt im oberen Fricktal nahe der deutschen Grenze und umfasst die Ortsteile Kaisten und Ittenthal. Wälder, Felder und Rebberge prägen die Landschaft; die Besiedlungsgeschichte reicht bis in die Bronzezeit zurück. Zeugen der langen Geschichte sind unter anderem die Stiftsmühle des Klosters Säckingen sowie die beiden Kirchen. Kaisten wird erstmals 1282 urkundlich erwähnt.
Hans Amsler zieht nach Kaisten
Die Kirchenbücher von Kaisten beginnen um 1602 und dokumentieren Taufen und Eheschliessungen. Sie geben Einblick in die frühen Familien des Dorfes. Der Name Amsler erscheint erstmals 1653, als Hanß Amsler und Magdalena Höhin heirateten.
Magdalena gehörte zur alteingesessenen Familie Höin, die seit Beginn der Kirchenaufzeichnungen in Kaisten nachweisbar ist. So liessen etwa Fridli Höin und Brigitta Jäggi im Jahr 1602 ihren Sohn Johannes in der Vorgängerkirche der heutigen Pfarrkirche St. Michael taufen.
Die Eheschliessung vom 13. Januar 1653 markiert somit den ersten Nachweis der Familie Amsler in Kaisten. Vermutlich erwarb Hans Amsler im Zusammenhang mit der Heirat das Bürgerrecht; schriftliche Belege fehlen, doch ab diesem Zeitpunkt werden die Amsler als Einwohner von Kaisten geführt.

Hans Amsler war nicht aus Kaisten gebürtig; seine Herkunft bleibt unbekannt. Weshalb er sich in Kaisten niederliess, lässt sich nur vermuten. Ehen wurden damals häufig aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen. Möglich ist, dass Magdalenas Eltern keine Söhne hatten und einen geeigneten Schwiegersohn suchten, der den Hof übernehmen und später für die Eltern sorgen sollte. Eine weitere Möglichkeit ist eine voreheliche Beziehung, die zu einer Schwangerschaft führte – eine Situation, die damals nur durch eine Heirat legitimiert werden konnte.
Die Frage nach der Herkunft der Amsler Familie in Kaisten
Vielleicht stammte Hans aus dem protestantischen Bernischen Aargau, wo Amsler-Linien bereits seit über einem Jahrhundert bestanden. Die Grenze – sowohl territorial wie konfessionell – lag nicht weit entfernt. Junge Leute aus dem bernischen Gebiet besuchten gelegentlich Feste und Tänze jenseits der Grenze, was in den streng reformierten Dörfern verboten war. Solche Ausflüge mussten geheim bleiben, da die sogenannten «Heimlichen» Verstösse meldeten und die Betroffenen vor das Kirchengericht zitiert wurden. Wie auch immer: Hans Amsler liess sich in Kaisten nieder, gründete eine Familie, und zahlreiche seiner Nachkommen leben noch heute dort.
Das Schweizer Familiennamenbuch nennt fünf aargauische Gemeinden mit alten Amsler-Geschlechtern: Schinznach, Densbüren, Effingen, Bözen und Kaisten. In Bözen erscheinen Amsler ab 1677, genealogisch klar als Nachkommen der Effinger Linie belegt.

Hans Amsler tauchte rund 25 Jahre zuvor in Kaisten auf, der erste Vertreter dieses Geschlechtes im Dorf. Da schriftliche Hinweise zu seiner Herkunft fehlen, braucht es einen anderen Ansatz zur Klärung dieser Frage.
Genetische Genealogie
Die genetische Genealogie verbindet klassische Familienforschung mit DNA-Analysen. Das Amsler Familien Projekt untersucht, ob die verschiedenen Amsler-Linien auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückgehen. Im Zentrum steht die Analyse des Y Chromosoms, das vom Vater zum Sohn nahezu unverändert weitergegeben wird und sich besonders zur Erforschung der direkten väterlichen Linie eignet.
Personen, die einen genetisch definierten, gemeinsamen Vorfahren teilen, bilden eine sogenannte Haplogruppe – einen grossen Ast im menschlichen Stammbaum. Haplogruppen helfen, Wanderungsbewegungen nachzuvollziehen und Verwandtschaften zwischen Familien mit gleichem Namen zu klären, insbesondere dort, wo historische Quellen lückenhaft sind.
Freiwillige aus bekannten Amsler-Heimatorten stellten DNA-Proben zur Verfügung. Dabei wurden zwei neue Haplogruppen entdeckt:
- Haplogruppe R-FTE57066: entstand um 1500; ein gemeinsamer Vorfahre verbindet Schinznach, Densbüren und Effingen
- Haplogruppe R-FTG89019: entstand um 1600 für den Zweig Effingen; umfasst Densbüren, Kaisten, Mulhouse und Bözen
Der Befund für Kaisten
Kürzlich konnte auch ein Testteilnehmer aus Kaisten einbezogen werden. Die Y DNA Analyse zeigt, dass er ebenfalls der Haplogruppe R FTG89019 angehört. Damit ist wissenschaftlich belegt, dass die Kaister Amsler aus dem Zweig Effingen stammen.

Die obige Grafik zeigt die Beziehungen der Amsler-Linien und ihre Herkunftsorte. Gepunktete Linien bezeichnen genetische Nachweise innerhalb der übergeordneten Amsler-Haplogruppe (Schinznach, Densbüren, Effingen).
Innerhalb der Effinger Haplogruppe bestehen genetische Verbindungen zwischen Kaisten und einem Zweig in Densbüren. Bözen und Mulhouse gehören ebenfalls dazu, belegt durch genetische sowie genealogische Quellen (durchgezogene Linien).
Ein Zweig der Effinger Amsler siedelte sich in Bözen an, ein anderer wanderte nach Elsass aus. Die Republik Mulhouse, damals mit der Eidgenossenschaft verbündet, nahm nach dem Dreissigjährigen Krieg zahlreiche reformierte Familien auf, darunter auch Amsler.
Zusammenfassung
Die Amsler-Linien aus fünf aargauischen Heimatorten sind miteinander verwandt und gehen auf einen gemeinsamen männlichen Vorfahren zurück, der um 1500 lebte. Eine weitere Linie im Baselbiet lässt sich genealogisch auf Bözen zurückführen, die Amsler in Buus.
Testpersonen aus Effingen, Densbüren und Schinznach gehören zur übergeordneten Haplogruppe R FTE57066. Eine jüngere Linie, entstanden um 1600, umfasst Densbüren, Bözen, Kaisten und Mulhouse und gehört zur Effingen-spezifischen Haplogruppe R FTG89019.
Ungeklärt bleibt einzig die Herkunft der Amsler in Richterswil. Weitere DNA Tests könnten das Gesamtbild der Schweizer Amsler-Linien vervollständigen.