Dieser Bericht bietet ein Update zum Amsler Y‑DNA Familienprojekt, das erstmals im März 2021 vorgestellt wurde. In der Schweiz existieren mehrere unterschiedliche Amsler Linien. Eine Linie wird dabei durch einen Heimatort definiert, in dem Amsler Familien vor 1800 urkundlich belegt sind.
Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob diese verschiedenen Amsler Linien von einem gemeinsamen Vorfahren abstammen.
Hier setzt das Amsler Y-DNA Familienprojekt an. Die genetische Genealogie verfolgt väterliche Linien weit über den Zeitraum hinaus, in dem schriftliche Quellen verfügbar sind, und ermöglicht Einblicke in Epochen, die lange vor dem Auftreten historischer Dokumente liegen.
Seit der ersten Beschreibung des Projekts vor vier Jahren hat es sich erheblich weiterentwickelt. Weitere Tester sind hinzugekommen, und es wurden weitergehende Analysen durchgeführt. Derzeit umfasst das Projekt 13 Tester aus Europa und den USA. Alle führen ihre Herkunft auf die Schweiz zurück, und sieben von ihnen haben auf den Big Y-700 Test aufgerüstet, was eine wesentlich detailliertere Untersuchung ihrer gemeinsamen väterlichen Herkunft ermöglicht.

Alte Haplogruppen M-269 und R-L257
Die ersten Erkenntnisse basierten auf einer Y-DNA37 Analyse. Alle Amsler Tester gehörten vorerst zur alten Haplogruppe R-M269, die um 4530 v. Chr. entstanden ist und auf einen weit zurückliegenden gemeinsamen Vorfahren hinweist. Mit neueren Algorithmen und der Einbeziehung autosomaler DNA über den Family Finder Test konnte die Untergruppe R-L257 identifiziert werden. Diese bronzezeitliche Haplogruppe entstand etwa 1600 v. Chr.
Entdeckung der Haplogruppe R-FTE57066
Als nächster Schritt wurde je ein Tester ausgewählt, der die Heimatorte Bözen, Densbüren und Schinznach repräsentiert. Für diese erfolgte ein Upgrade auf den Big Y-700 Test. Durch die Analyse einer wesentlich grösseren Anzahl von STRs und SNPs wurde damit eine bisher unbekannte Haplogruppe R-FTE57066 entdeckt, deren Entstehung auf etwa 1500 n. Chr. datiert wird. Alle drei Tester teilen einen gemeinsamen Vorfahren, der im späten Mittelalter lebte. Diese Erkenntnis lieferte eine erste Teilantwort auf die ursprüngliche Frage nach der Verwandtschaft dreier Amsler Linien.
Papierbasierte Recherchen zeigten zudem, dass die Amsler Familie von Buus tatsächlich aus Bözen stammt. Johannes Amsler (1729–1792) heiratete die Tochter eines Mühlenbesitzers in Buus, erwarb dort 1763 das Bürgerrecht und wurde zum Stammvater dieser Amsler Linie.
Eine weitere Studie belegte, dass auch die Amsler Linien von Bözen und Effingen miteinander verwandt sind. Zusammengefasst haben die Amsler Familien aus fünf Heimatorten einen gemeinsamen Ursprung, belegt durch schriftliche Überlieferung aus Kirchenbüchern, genetisch-genealogischen Nachweis oder beides.
Entdeckung der neuen Haplogruppe R-FTG89019 für den Bözen «Stamm»
Ein detaillierter Stammbaum zeigt auf, dass zwei Amsler Tester aus Bözen einen gemeinsamen Vorfahren haben: Hans Amsler (1652–1729). Die Big Y-700 Analyse enthüllte eine jüngere Haplogruppe für die Linien aus Bözen und Effingen. Mehrere SNP Mutationen wurden identifiziert, die von den Testern „W“ und „H“ gemeinsam geteilt werden. Diese Mutationen müssen zwischen ihrem früheren gemeinsamen Vorfahren um 1500 und der Geburt von Hans Amsler im Jahr 1652 entstanden sein.
Ein dritter Tester, „P“, wohnhaft in Frankreich, führt seine Herkunft nach Effingen zurück, das historisch zur gleichen Pfarrei wie Bözen gehörte. Auch er wurde dieser neuen Haplogruppe zugeordnet. Sein Vorfahre Uli wanderte um 1665 einige Jahre nach dem Dreissigjährigen Krieg nach Mülhausen aus.
Die schon früher dokumentierte Abstammung dieser drei Teilnehmer aus Bözen wird nun auch durch die genetischen Befunde zusätzlich bestätigt.
Überraschenderweise gehört ein vierter Tester aus den USA, der ursprünglich als Nachkomme aus Densbüren nachgewiesen wurde, ebenfalls zur Bözen Haplogruppe. Er stammt ab von Zacharias Amsler, geboren um 1630. Obwohl die schriftlichen Quellen Zacharias eindeutig in Densbüren verorten, zeigt seine Y-DNA eine deutlich engere Verbindung zu Bözen.
Zacharias Amsler (1630–1710) war «Schulmeister» in Densbüren und der früheste bekannte Vorfahre seiner Linie. Entweder er selbst oder möglicherweise bereits sein Vater, zog zwischen 1600 und 1650 nach Densbüren und erwarb das dortige Bürgerrecht. Die beiden Dörfer liegen nur 8 Kilometer auseinander, etwa ein zweistündiger Fussmarsch. Zudem gehörte Densbüren bis 1642 zur Pfarrei Bözen, was die enge Verbindung der beiden Gemeinden zusätzlich verdeutlicht.
Die folgende Grafik zeigt die Beziehungen zwischen den Big Y-700 Testern und ihren jeweiligen Heimatorten. Durchgezogene Linien stehen für dokumentierte Abstammung, gestrichelte oder gepunktete Linien für genetische Abstammung. In Blau die Initialen und Lokation der Y-700 Tester.
Zusammenfassung
Alle Big Y-700 Tester aus Bözen, Densbüren und Schinznach gehören zu einer übergeordneten „Amsler Haplogruppe“. Innerhalb dieser Gruppe bilden die Tester aus Bözen und Effingen eine eigene Untergruppe, die einzigartig ist für diesen Heimatort. Mit weiteren Testern aus Densbüren und Schinznach könnten auch für diese Heimatorte zusätzliche Haplogruppen identifiziert werden.
Die Frage nach dem Ursprung der Amsler Linien kann nun für fünf Heimatorte beantwortet werden. Diese Linien stammen von einem gemeinsamen männlichen Vorfahren ab, der um 1500 n. Chr. lebte. Zwei weitere Heimatorte — Kaisten und Richterswil — bleiben noch ungeklärt.
Mit zusätzlichen Y-DNA Testern aus diesen beiden «fehlenden» Heimatorten könnte das Gesamtbild des gemeinsamen Ursprungs der Schweizer Amsler Linien vervollständigt werden.
Die jüngsten Ergebnisse sind bemerkenswert. Die genetische Untersuchung der väterlichen Linien der Projektteilnehmer hat mehrere neue Haplogruppen identifiziert, die durch gemeinsame SNP Mutationen definiert sind:
- Amsler Linien aus fünf Heimatorten stammen ab von einem gemeinsamen männlichen Vorfahren um 1500 n. Chr.
- Diese Linien gehören zur neu entdeckten Haplogruppe R-FTE57066, der sogenannten «Amsler Haplogruppe»
- Eine jüngere Sub-Haplogruppe, R-FTG89019, wurde für die Amsler Familien aus Bözen und Effingen identifiziert
Ich danke allen Testern und Unterstützern dieses Projekts herzlich für ihr Engagement und ihre Grosszügigkeit.