Der folgende Text stammt von Lokalhistoriker und Familienforscher Bruno Maurer (ehemals Mitglied der GHGRB). Er lebte in Veltheim AG und starb 2001. Er erforschte viele Familien und die Geschichte der drei Schinznacher Mühlen und deren Besitzer. Auch hat er sich intensiv mit den Schinznacher Wirtschaften befasst. Die Resultate dieser Forschungen wurden im Herbst 1996 in vier Folgen im Brugger Tagblatt publiziert. Diese Artikelreihe liegt nun in leicht redigierter Fassung vor und ist ergänzt mit zusätzlichem Bildmaterial.
Der Bären in Schinznach
Die älteste Taverne in Schinznach und wie aus dem «Löwen» der «Bären» wurde.

Erstmals wurde 1378 in Schinznach eine Taverne erwähnt. In der Dorfordnung von 1547 wurde deutlich festgehalten, dass bei Eröffnung einer zweiten Taverne die doppelten Abgaben zu entrichten seien. Der Pfennigzinsrodel, den der 1694 neu zugezogene Prädikant Klingler erstellte, um alle Ackerlandbesitzer zu erfassen, die der Kirche steuerpflichtig waren, führt auch Namen von Wirten.
Die Taufeinträge desselben Geistlichen mit Bemerkungen wie «des Wirts Sohn» oder «des Wirts Frau» sind Mosaiksteinchen, aus denen die Familienzugehörigkeit ersichtlich wird. Es zeigte sich, dass auf beiden Tavernen um 1600 herum Familien Hiltpolt (die heutige Schreibweise ist Hiltpold) tätig waren. Sie waren sehr einflussreich und gehörten zu den wohlhabenden Bürgerfamilien.
Die Namen der Schinznacher Wirtschaften
Weil die beiden Wirtschaften damals noch keine Namen trugen, wurde häufig der Zusatz «der ober Wirth» oder «der unter Wirth» verwendet. Erst 1696 erhielten die Tavernen ihre heutigen Namen «Bären» (die obere Wirtschaft) und «Hirzen» (die untere). Der «Bären» musste allerdings bereits zuvor einen Namen erhalten haben, hat doch der Verfasser der «Chronik von Schinznach-Dorf», Eduard Gerber, im Chorgerichtsmanual von 1684 folgenden Eintrag gefunden:
«Uechel Michel, der Löwenwirt, hat an Hans Bylands Hochzeit seinen Hochzeitsgästen zum Tanzen statt und Platz gegeben. Busse 1 Pfund. 6 Tänzer zahlen je 10 Schilling, 8 Weibspersonen je 5 Schilling.»
Wie die Forschungsergebnisse zeigen, handelt es sich beim «Löwen» und beim späteren «Bären» um ein und dieselbe Wirtschaft. Dass sich die Berner mit dem Habsburgersymbol, dem Löwen, schwertaten, ist allzu verständlich. So kam ab 1696 das Berner Wappentier zum Zuge.
Die Wirtefamilien Hiltpold und Zulauf
Aus der Hiltpold-Ära in der «oberen Wirtschaft» ging Johann, genannt Spatz, in die Geschichte ein: Als 1653 angeklagter Mitläufer im Bauernkrieg wurde er gebüsst. Nach 1680 ging wohl, wie der vorgenannte Chorgerichtseintrag zeigt, die Wirte Dynastie Hiltpold zu Ende. Der an besagter Hochzeit 1684 gebüsste «Uechel Michel» würde heute folgenden Registereintrag finden: Ulrich Meyer, des Michael, geboren 1653, verheiratet am 27. März 1673 mit Anna Zulauf, geboren 1650, Tochter des 1666 im Amt verstorbenen Untervogts Hans Ulrich Zulauf.
Um 1690 übernahm ein Vetter dieser Anna, Hans Ulrich Zulauf, die Wirtschaft nach seiner 1689 vollzogenen Heirat mit der einheimischen Anna Lüem. Sie waren bis 1694/95 die «Löwenwirts», bis dann der Berner Bär Oberhand gewann. Im fast einzigen noch vorhandenen Rechnungsabschluss von Kasteln aus dem Jahr 1696 wurden der «Bären» und «Hirschen» erstmals namentlich erwähnt.
Wirtefamilie Amsler
Weil keiner der Söhne wirten wollte, wurde von 1735 bis 1750 mit einem Kull aus Niederlenz ein Versuch als Pächter gemacht. Hans Ulrich Zulauf Junior, ein weiterer Sohn aus der Sippe, heiratete 1732 als 37-jähriger die Witwe des früh verstorbenen Schmieds Amsler aus der Sägemühle (untere Mühle). Diese brachte sechs Kinder in die Ehe. Einer dieser Stiefsöhne wurde zum ersten «Bärenwirt» namens Amsler. Samuel Amsler-Rufli, geboren 1723, war der Auserwählte, der ab 1750 für die nächsten 50 Jahre die Zügel im Schinznacher «Bären» in den Händen hielt und zum Stammvater einer Wirte Dynastie wurde, die noch heute im 20. Jahrhundert Bestand hat. Er heiratete 1748 Susanna Rufli von Seengen.
Sein ältester Sohn Jakob baute den «Bären» auf der Bözbergpasshöhe, dem Stalden. Ein weiterer Sohn, Johann Jakob, wurde Wirt in der Veltheimer «Pinte», der spätere Hirschen. Der zweitjüngste Sohn Rudolf war später ebenfalls als Wirt tätig.

Anmerkung: der Gasthof Bären auf dem Bözberg war eine wichtige Pferdewechselstation gemäss Bericht von Viktor Jahn: «Auf dem Stalden im vorigen Jahrhundert», erschienen im Brugger Neujahrsblatt 1912, Seiten 31-43).
Die Schinznacher Wirtedynastie Amsler
Den «Bären» zu Schinznach übernahm dann der jüngste Sohn Kaspar. 1836 gab es einen Unterbruch in der Wirtedynastie Amsler. Als Wirt zeichnete ab diesem Zeitpunkt ein Emanuel Herrmann mit seiner Ehefrau Maria, geborene Heuberger. Der einzige Sohn wanderte nach Amerika aus, die Tochter Elisabeth heiratete den Umiker Wirtesohn Samuel Horlacher, der 1860 den «Bären» übernahm. 16 Jahre später wurde er des Wirtens überdrüssig und veräusserte das Gasthaus am 12. April 1876 an «Jakob Amsler, Jakobs, Metzger und Hirschenwirth daselbst». Und eben dieser Jakob Amsler (1836 – 1901) ist der Urgrosssohn des ersten «Amsler-Bärenwirts» Samuel Amsler-Rufli, aber auch gleichzeitig der Urgrossvater des «Bärenwirts» Fritz Amsler-Hollenstein (*1951).

Die «untere Wirtschaft» wurde zum «Hirschen»
Wie bereits erläutert, wurde 1378 in Schinznach eine Taverne erwähnt, 1547 war von der Eröffnung einer zweiten Taverne die Rede. Um 1600 herum wirteten auf beiden Tavernen Familien Hiltpold, die Gasthäuser wurden als «Obere» und «untere Wirtschaft» bezeichnet. Namen trugen sie noch nicht. 1696 gaben die Berner Herren der «oberen Wirtschaft» den Namen «Bären», die «untere» wurde der «Hirschen» oder nachmalig nach alter Bezeichnung für Hirsch der «Hirzen». Die beiden Wirtschaften haben einiges gemeinsam, wie aus der ersten Folge hervorgeht.
Jakob Amsler, der am 12. April 1876 den «Bären» für 32'000 Franken kaufte, war damals der Hirschenwirt und Metzger. Jakob Amsler wirtete bis 1907, sein Sohn Jakob (1873 – 1914) trat die Nachfolge an. Er starb überraschend im Alter von nur 41 Jahren. Sein Bruder Friedrich (1884 – 1959) übernahm mit seiner Frau Marie (1886 – 1964) die Führung des Gasthofes und wirtete 35 Jahre lang bis 1949. In dieser Zeit wurde die Scheune abgerissen und ein Saal erstellt.
Fritz und Klara Amsler-Schläfli bauten 1953 das Restaurant um, renovierten 1956 das Säli und führten von 1969 bis 1971 einen grossen Umbau durch, womit der «Bären» sein heutiges Gesicht erhielt. Am 1. Juli 1980 übergaben Fritz und Kläry Amsler den «Bären» nach 33-jähriger Tätigkeit an Sohn Fritz Jakob und Schwiegertochter Ursula Amsler-Hollenstein, die inzwischen verschiedene Modernisierungen und Umbauten vornahmen.
Seit 2019 ist der Gasthof mit den elf Hotelzimmern im Besitz von Sile und Markus Spicher. Die beiden haben das Haus vor einer Umnutzung in Wohnungen bewahrt und so einen wichtigen Treffpunkt im Dorf erhalten.

Wirtefamilien Amsler und Hiltpold
Das Schicksal des «Bären» und des «Hirzen» ist in der Geschichte eng miteinander verbunden. Waren es zuerst die Familien Hiltpold auf beiden Wirtschaften, besteht die Verbindung später bei der Familie Amsler. Als Johann Jakob Amsler 1776 den «Bären» erwarb, veräusserte er seine frühere Wirtschaft, den «Hirzen», wieder an einen Hiltpold.
Der «Hirzen» oder «Hirschen» wird als solcher erst 1696 genannt. Vorher finden sich in den Urkunden Bezeichungen wie «Der unter Wirth» oder «Wirth bei der Kilchen». Letztere Bezeichnung findet sich 1619 im Taufrodel. Hier wird der 1594 geborene Friedli Hiltpold als Wirt genannt, dessen Bruder Ueli später als Bauernführer im Bauernkrieg in die Geschichte einging. Friedli Hiltpold führte die Wirtschaft bis in die vierziger Jahre, danach findet sich bei den Taufen seines jüngeren Bruders Ueli der Zusatz «der Wirth». Der Grund liegt darin, dass Vater Samuel Hiltpold 1642 starb und nach bernischem Erbrecht das «Minorat» galt. Demgemäss stand dem Letztgeborenen das väterliche Heimwesen zu.
Ueli Hiltpold hielt also in der «unteren Wirtschaft» Einzug. 15 Kinder brachte er mit seiner Angetrauten Elsbeth Meyer zur Taufe. Ob Ueli Hiltpold, genannt «Thoni», bis zu seinem Tod 1672 die «unter Wirtschaft» besass, lässt sich nicht eindeutig feststellen, weil entsprechende Hinweise der Pfarrer fehlen.
Die resolute Schwiegertochter
Sicherlich übernahm «Thonis» 1645 geborener Sohn Friedrich (Friedli) die Wirtschaft. Er ehelichte 1670 eine Ursula Keller, vermutlich eine Tochter von Pfarrer Keller, der 1668 bei der Pest gestorben war. Diese hatte nun mit den Prädikanten offensichtlich ihre liebe Mühe, sie wurde im Chorgerichtsmanual aktenkundig. Der Eintrag verrät allerdings, wie engstirnig und bigott die damaligen Mächtigen waren: «Urseli Paschi», des «Friedli Thonis» Frau, war von Pfarrer Kehrer ermahnt worden, zu ihrem Hause mehr Sorge zu tragen.
Da liess sie dem Weibel sagen: Sie lasse dem Prädikanten ganz freundlich danken, dass er so Sorg zu ihrem Hause trage und solle ihm weiter sagen Gott habe sie so wohl gesetzt, Wein und Brot in ihrem Wirtshause auszuteilen, als der Herr Prädikant Wein und Brot auszuteilen in dem Heiligen Abendmahl. Hernach hat sie dem Herrn Prädikanten selbst gesagt: Sie sei in ihrem Wirtenstand so gut als der Pfarrer in seinem Predigtstand.»
Weil sie schwanger war und etliche kleine Kinder hatte und dazu ihr Mann wegen Schulden auf Schenkenberg in Gefangenschaft war, wurde auf eine Busse verzichtet. Stattdessen wurde sie in eine Halsgeige gesteckt und so durchs Dorf geführt. Nach heutiger Auffassung verdient die mutige Frau für ihre Aussage alle Hochachtung, denn nach reformiertem Glauben ist der Pfarrer nicht von Amtes wegen eine höherstehende Person.
Um 1680 muss die «untere» Wirtschaft in den Besitz von Untervogt Hans Ulrich Lüem übergegangen sein, womit eine neue Wirtefamilie für die nächsten rund sieben Jahrzehnte Geschichte schrieb.
Bewegte Ära Lüem auf dem «Hirzen»
Um 1680 herum gelangte die «unter Wirtschaft», wie der «Hirzen» damals genannt wurde, von der Familie Hiltpold in den Besitz von Hans Ulrich Lüem. Als 1696 die Wirtschaft umbenannt und fortan «Hirzen» hiess, übernahm Johann Lüem die Wirtschaft. Er war 1688 mit Verena Simmen in den Ehestand getreten. Der 1690 geborene Sohn Balthasar ist später als Wirt und Untervogt in den Büchern zu finden.
Balthasar Lüem heiratete 1712 Anna Hübscher aus Staffelbach. 1722 starb die Ehefrau, und Balthasar musste als Witwer mit sechs Kindern in seiner Not nach einem Wirt Ausschau gehalten haben. In den zwanziger Jahren des 18. Jahrhunderts ist einem Kasteler Eintrag zu entnehmen, dass ein Ludwig Wernli «zinsete». 1726 heiratete Balthasar Lüem zum zweiten Male. Mit Elisabeth Häfliger, seiner Auserwählten, taufte er nochmals fünf Kinder. Als Untervogt, Bauer und Wirt war er sicher voll ausgelastet. Am Jahresanfang 1742 stirbt er unerwartet in seinem Amt. Für die erste Zeit nach dem Ableben des Wirts findet man wieder keine schlüssigen Angaben, mit Ausnahme eines Eintrages von 1744 im Sterberodel: «Starb Susanna Häfliger, des Untervogt und Hirzenwirths Lüem, nach Tods hinderlassener Wittib ihres alters, blos zu 40 johr». Innerhalb von etwas über zwei Jahren starben also die Wirtsleute weg. 1744 ist in den Berner Ratsmanualen auch ein Eintrag über den Entzug des Tavernenrechtes der Taverne zum Hirschen in Schinznach zu finden, initiiert durch den damaligen Bärenwirt Hans Ulrich Kull. Die Hintergründe waren mannigfaltig: Der «Bären» war durch einen Lehensmann, Hans Ulrich Kull aus Niederlenz, übernommen worden. Der «Hirschen» seinerseits war zu dieser Zeit verwaist, nachdem der Wirt und Untervogt Balthasar Lüem gestorben war. Seine Witwe wurde wegen Überwirtens «bis am hällen Morgen» gebüsst, sie starb zudem kurz nach ihrem Mann. Sohn Rudolf Lüem war gebüsst worden wegen Spielerei. Die Konkurrenz hatte somit leichtes Spiel, diese Wirtschaft zu Fall zu bringen, was gemäss genanntem Urteil auch geschah.
Was nun mit dem «Hirzen» geschah, muss anhand eines Sterbeeintrages angenommen werden. Pfarrer Saxer schreibt am 18. Mai 1756: «Starb Margrit Wernli, Ludwig Wernlis Hirzen Wirths Frau.» Bei näherer Betrachtung dieses Eintrags ist somit anzunehmen, dass Ludwig Wernli ein zweites Mal als Wirt den verwaisten «Hirzen» übernommen hatte. Wieder fehlen für rund 20 Jahre die nötigen Unterlagen für eine Handänderung, allerdings scheint wahrscheinlich, dass um diese Zeit der amtierende Untervogt Hans Jakob Schaffner den «Hirzen» erwarb. Er war 1773 der Verkäufer der Wirtschaft an den Schmied Johann Amsler-WernIi, ein Bruder des damaligen Bärenwirts Samuel Amsler-Rufli. In dieser Wirtedynastie verbleibt der « Hirzen» für die nächsten 100 Jahre.
Amsler bis 1876 im «Hirzen»
Waren es vor 1700 die Familien Hiltpold, die als Wirte der «untern» und der «obern» Wirtschaft Geschichte schrieben, übernahmen 100 Jahre später die Amsler diese Rolle. Wie bereits erwähnt, erwarb 1773 der Schmied Johann Amsler-Wernli, ein Bruder des damaligen «Bären»-Wirts Samuel Amsler-Rufli, den «Hirzen» und die dortige Schmiede.

Auf dem obigen Bild beschlagen Schmied Jakob Amsler-Hiltpold und Müller Adolf Hartmann auf offener Strasse ein Pferd vor der ehemaligen «Schmitte», die im Untergeschoss des «Hirschen» betrieben wurde. Anstelle der Schmiede entstand später eine Bäckerei-Konditorei.
Bei den Amsler darf ruhig von einer Wirte Dynastie gesprochen werden, denn um 1800 war dieser Zweig in verschiedenen Wirtschaften der Umgebung vertreten: Auf dem «Bären» im Stalden auf dem Bözberg wirkten über 100 Jahre lang Amsler, auf dem Veltheimer «Hirschen» sind während rund 80 Jahren die Amsler zu finden, und im Küttiger Gasthof zum Kreuz wirtete ebenfalls ein Amsler aus der Schinznacher «Bären»-Familie.
Schliesslich wäre auch noch der Bärenwirt zu Villnachern zu nennen, er war ein Sohn von Johann Amsler-Wernli, der Schinznacher Hirzenwirt.
Aus den Akten nicht ersichtlich ist der Übergang im «Hirzen» auf die nächste Generation, mit Sicherheit nachweisbar ist jedoch die übernächste: Kaspar Amsler, ein Enkel von Johann Amsler-Wernli, heiratete Verena Amsler, die Tochter des Veltheimer «Hirschen» Wirts, und zog als Wirt und Schmied im «Hirzen» ein. Als das Ehepaar in die Jahre kam und es keinen Sohn hatte, der den Betrieb weiterzuführen gedachte, übernahm der jüngste Bruder der Wirtin, Hans Jakob Amsler, den «Hirzen». Wie bereits zu lesen war, veräusserten die Amsler den «Hirzen» 1876 und wirken seither im «Bären».
100 Jahre Hiltpold im «Hirzen»
Im «Hirzen» findet sich nun wieder ein Name, der schon 200 Jahre zuvor hier gang und gäbe war, damals als die Gaststätte noch die «untere Wirtschaft» hiess: Die Hiltpold hielten wieder Einzug. Jakob Hiltpold (mit Dorfnamen «Boths») war der neue Wirt. Gemäss Kaufbrief erwarb er:
«1. dreistöckige Wohnhaus mit zwei Wohnungen, gewölbtem Keller nebst zwei Anbauten mit Metzg und Wagenschopf von Stein und Holz unter Ziegeldach die mit lit. B bezeichnete um Fr. 3150 geschätzte und um gleiche Summe versicherte Hälfte nämlich: den Keller, die Wohnung in allen Bestandtheilen des ersten Stocks die Metzg, die Hälfte Estrich und der angebaute untere Schopf.
2. Die im Lagerbuch unter No. 198 beschriebene Scheuer von Stein und Holz unter Ziegeldach, ge schätzt und versichert zu Fr 1450.-
3. Ungefähr 4,5 Aren (2/16 Juch.) Gartenland hinter der Scheuer zwischen Johannes Amsler, Gemeindeschreibers Erben einer- und Ulrich Riniker, Hüngels, andererseits.»“
Der Kaufpreis betrug 9’000 Franken. Im Kauf inbegriffen waren folgende Gegenstände: 7 Tische, 6 Bänke, 14 Stühle, 1 Tragofen samt Rohr, 4 Weinfässer, 66 Stück Glasgeschirr, 1 Küchenschaft, 1 Schaft im Keller sowie ein Schweinestall im hintern Stall.

Fast 100 Jahre, bis 1973, wirtete die Hiltpold Dynastie. Legendär war der letzte Hiltpold-«Hirzen»-Wirt, Hans Hiltpold – auch bekannt unter dem Namen «Hirze-Hans» oder «de Chly», seines kleinen Wuchses wegen. Er stand während 26 Jahren dem Bezirkswirteverband als Präsident vor.
Unter seiner Ägide, er war Bäcker, entstand im «Hirzen» anstelle der früheren Schmiede eine Bäckerei, die sein Schwiegersohn Emil Hartmann weiterführte.

1973 verkaufte Hans Hiltpold den «Hirzen» und starb ein Jahr darauf eines tragischen Todes; er ertrank im hochgehenden Talbach. Die Liegenschaft erfuhr in neuen Händen einen grundlegenden Umbau, ein Konsortium hatte den «Hirzen» 1973 erworben. Die Bäckerei-Konditorei erhielt ein neues Domizil im Unterdorf und verschwand somit aus dem «Hirzen». An deren Stelle gab es zusätzliche Restaurationsräume, auch wurde der Eingang umgestaltet.
Verschiedene Pächter lösten sich in der Folge ab, bis im Mai 1986 das Ehepaar Heinz und Vreny Wessner das Haus kauften. Aus gesundheitlichen Gründen veräusserten sie die Wirtschaft im Herbst 1987 an Lisbeth und Dieter Keist, die seither erfolgreich das Traditionshaus führen. Das Ehepaar führte die Wirtschaft bis 2022 und veräusserten das Gebäude. Nach Renovation und Umbau entstanden dort mehrere Mietwohnungen.
Amsler Wirte Dynastie Veltheim

Johann Jakob Amsler (1759 – 1834) war einer von drei Brüdern, die als Wirt tätig waren. Er wurde Wirt in Veltheim. Sein Bruder Kaspar übernahm den Bären in Schinznach, Jakob hingegen zog auf den Bözberg und betrieb dort den Bären auf dem Stalden. Rund 200 Jahre prägten die Nachkommen von Johann Jakob die Geschicke des Veltheimer Hirschen.

Die letzte Hirschenwirtin war Emma Gloor-Amsler (1912 – 1996) die bis ins hohe Alter den Betrieb führte. Nach ihrem Tod führten ihre Nachkommen den Gastbetrieb noch bis 2011. Dann wurde das Restaurant geschlossen und das Gebäude nach einem Umbau einer reinen Wohnnutzung zugeführt.